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News Peter Riedel

70 Jahre Hochleistungssport in Oberwiesenthal - Alpinen bleiben auf der Strecke!

| Peter Riedel

Die Oberwiesenthaler Sportszene hat aktuell Einiges zu feiern. 70 Jahre Leistungssport in Oberwiesenthal sowie 60 Jahre Eliteschule des Wintersports in Oberwiesenthal- das ist zweifelsohne ein toller Anlass, den man gebührend feiern muss.

Die 70 Jahre lange Historie Oberwiesenthals, einerseits auf schulischem Terrain als auch institutionell auf so hohem Niveau Leistungssport zu ermöglichen und zu fördern, ist schon beeindruckend. Sehr viele Athletinnen und Athleten, die heute höchst erfolgreich sind, gingen durch diese Schule. Die letzten Jahre waren es vor allem die nordischen Sportler, die international auf sich aufmerksam machten, doch in den Anfängen waren es vor allem die alpinen Rennläufer sowie die Rennrodler, die den Namen Oberwiesenthal mit ihren Erfolgen in die Welt hinaus trugen.

Wo ich auch schon mitten im Thema bin, das ich mit einigen Zeilen hier aufgreifen möchte und das mich zutiefst enttäuscht.

Gestern Abend wurden die Feierlichkeiten mit einem Festakt eröffnet, zu dem auch viele ehemalige Sportlerinnen und Sportler geladen waren. Unter anderem auch mein Vater Eberhard Riedel, der ziemlich genau vor 70 Jahren gemeinsam mit Peter Lützendorf, Ernst Scherzer und anderen die internationale alpine Skiszene aufmischte und Weltcupsiege feierten.

Diese Erfolge fielen genau in die Anfangszeit dieser „goldenen“ 70 Jahre, für die sich heute die Oberwiesenthaler Sportfunktionäre auf die Schulter klopfen.

Im Rahmen der Feierlichkeiten wurden die ehemaligen alpinen Rennläufer jedoch mit KEINEM EINZIGEN WORT gewürdigt. In der Laudatio vom MDR-Sportexperten Thorsten Kutschke wurden sie gekonnt außen vor gelassen, während den nordischen Sportlern und Rennrodlern Rosen gestreut wurden.

Der 88-jährige Ernst Scherzer brachte es danach auf Punkt: „Ich verstehe die Welt nicht mehr“…hat man sich da etwa nicht richtig mit der Geschichte beschäftigt? Wie kann man bei einer so tollen und schönen Feier derart wichtige historische Ereignisse ignorieren?

Klar, es liegt schon eine ganze Weile zurück. Aber ist nicht genau DAS die Aufgabe von Jubiläen? Die Erfolge der Vergangenheit wieder vor den Vorhang zu holen. Es grenzt fast an eine Beleidigung, alle anderen Disziplinen zu würdigen und das damals so erfolgreiche alpine Lager außen vor zu lassen.

Ich unterstelle den Verantwortlichen jetzt aber nicht, dass sie ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben und uns einfach vergessen haben. Thorsten Kutschke ist ein Profi auf seinem Gebiet, dem würde so ein Fehler nicht unterlaufen. Eher vermute ich, und das ist eigentlich das WIRKLICH Traurige, das die Alpinen bewusst außen vor gelassen wurden.

In einem Gespräch erwähnte ein deutscher Sportwissenschafter, der es in der DDR-Sporthierarchie weit nach oben schaffte, dass für ihn die Alpinen damals „ein sportliches Problem waren“. Vermutlich war damals die strukturelle Ausrichtung ganz klar auf andere Sportarten wie Turnen, Rodeln und die nordischen Disziplinen abgestimmt. Diese Sportarten, in denen man vermeintlich relativ schnell olympische Medaillen und somit internationalen Ruhm einheimsen konnte.

Der alpine Skilauf war da - ungeachtet der Erfolge - sogar eine „Problem“, dessen man sich nach den olympischen Spielen in Grenoble 1968 erfolgreich entledigte. Soll heißen, nicht mehr förderte.

Es waren damals andere Zeiten und sicherlich auch andere Kräfte, die da am werken waren. Dass man aber selbst jetzt - 70 Jahre später - diese Doktrin aufrecht erhält und es nicht schafft, diese geschichtlichen Ereignisse mit genügend Abstand neu einzuordnen und zu würdigen, ist sehr sehr schade.

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