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News Peter Riedel

Pöhla und die Ziegel

| Peter Riedel

Kommenden Mittwoch steigt in Pöhla der Auftakt zur neu ins Leben gerufenen FESA 3 Hills Tour. Auch wenn mit dem Ende des FIS Damenspringens nach 20 Jahren eine Ära zu Ende geht, freut es mich riesig, dass sich in meiner Region Skisprungtechnisch wieder was tut. Was die Wenigsten wissen: In den 60er Jahren stand die Anlage nach einer sehr erfolgreichen Zeit kurz vor dem Aus. Doch von Beginn an:

Die Schanzenanlage Pöhla war in den 1960er Jahren ein beliebter Treffpunkt für Skisprungbegeisterte und diente damals wie heute als Gaststätte und Vereinsgebäude für den SV Fortuna Pöhla. Sie war somit ein wichtiger Bestandteil des lokalen Skisprungbetriebs. 

Der typische DDR-Holzbau fügte sich damals harmonisch in die Landschaft ein, musste jedoch Ende der 60er Jahre erneuert und modernisiert werden.

Immer wieder wurde darüber diskutiert, die treibenden Kräfte dahinter waren Gotthard Trommler und Johannes Riedel. Trommler war damals Nationaltrainer und eine bekannte Person in der DDR, deren Wort Gewicht hatte. Johannes Riedel - nein, er ist nicht mit mir verwandt - war Skispringer und später Vorsitzender des SV Fortuna Pöhla - somit DAS Aushängeschild!

Für die Modernisierung gab es allerdings ein großes Problem. Der Anlaufturm musste, um den damaligen Standards gerecht zu werden, aus einer stabilen Ziegelkonstruktion neu gebaut werden. Der Turm war zwar schon zu Dreiviertel fertiggestellt, für die letzten Meter fehlten allerdings Ziegel - und die waren damals in der gesamten Region Mangelware.

Unvorstellbar, wenn man das mit heute vergleicht, aber genau das waren die Herausforderungen in der damaligen DDR.

Maßgeblichen an der Lösung des Problems war dann schlussendlich mein Vater Eberhard Riedel. Nachdem er 1968 mit dem Leistungssport aufgehört hatte, war er einige Jahre als Abgeordneter in der Politik tätig. Man wusste damals, dass er gute Kontakte pflegte, und so kamen auch Trommler und Riedel auf meinen Vater zu.

„Die lagen mir beiden in den Ohren, ob ich ihnen nicht helfen kann mit den Ziegeln. Ich wollte natürlich helfen, aber auch für mich war es damals nicht so einfach, zwanzig bis dreißigtausend Ziegel zu organisieren. Noch dazu, wenn das Geld knapp ist“, erinnert sich Eberhard Riedel noch gut.

„Ich fuhr dann nach Schwarzenberg und wurde dort bei einigen Personen vorstellig. Wenn man zu der Zeit Ziegel bekommen konnte, dann dort. Ich schilderte das Problem und die Dringlichkeit und nach einigem Zögern kam dann die heiß ersehnte Nachricht: Ok Ebbs, ihr bekommt die Ziegel. Du kannst dir vorstellen, wie wir uns damals gefreut haben!“

Was heute so unvorstellbar klingt, so richtungsweisend war der Fertigbau der Schanze damals. Eberhard erinnert sich weiter: „Hätte es damals mit den Ziegeln nicht geklappt, wäre wahrscheinlich alles den Bach hinunter gegangen. Der Neubau hätte nie fertiggestellt werden können, es hätte keine Trainingsschanze für Jens und Andreas Weißflog gegeben. Stellt euch das mal vor. Gott sei Dank ist es zum Glück so ausgegangen!“

Heute trägt die Anlage den Namen Jens-Weißflog-Skisprung-Arena und beherbergt am Mittwoch im Rahmen 3 Hills Tour viele begeisterte Nachwuchsspringerinnen und Springer. Was ein paar Ziegel so alles bewirken :-)

Euer Peter Riedel

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